Unser Mühlenhof-Café

 

Wenn Steine reden könnten – was sie leider nicht können – dann hätten sie viel über diese Räumlichkeiten zu erzählen. An ihrer Stelle will ich ein paar Sätze zum Werdegang dieser Räumlichkeiten sagen.

Unsere gute alte Scheune! Wer hätte gedacht, dass sie als Einkehr zu Kaffee und Kuchen dienen würde, um Gästen aus Nah und Fern die auf dem Fahrrad, mit dem Auto oder auch per pedes den Weg zu uns finden, um Momente der Gastlichkeit zu genießen!

Nach Jahren der Erstarrung ist das Scheunengebäude zu neuem Leben erwacht und wir hoffen, dass die neue Nutzung als Café eine ebenso glückliche Zeit wird, wie wir sie früher im Rahmen unserer Landwirtschaft erfahren durften.

Vor über 100 Jahren als Holzscheune gebaut, brannte sie so wie fast alle Gebäude – Kuhstall, Wagenschuppen, die alte Mühle – durch Beschuss im zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern nieder. Für die Großeltern und unseren Vater war dieser traurige Anblick auf die Überreste ihres schönen Hofes ein schmerzlicher Moment. Andererseits waren jedoch alle froh, selbst überlebt zu haben. Der Aufbau der zerstörten Gebäude wurde in mühevoller Arbeit nach dem Krieg begonnen. Das benötigte Baumaterial war sehr knapp, es fehlte praktisch an allem. Aber Stück für Stück wurde nach Stallungen und Wagenschuppen mit Getreideböden darüber auch die Scheune wieder aufgebaut. Diesmal jedoch wurde sie nicht als Holzscheune gebaut, sondern mit Klinkersteinen aus Ilse-Bückgen länger und höher als das Originalgebäude errichtet. 1.000 Klinkersteine wurden damals pro Tag herangefahren, bis endlich 45.000 Steine als Außenwände gemauert waren. Für den Innenausbau wurden noch alte, durch den Abriss gewonnene Steine verarbeitet. Die Holzbalken stammen aus den zu dieser Zeit noch vorhandenen eigenen Wäldern, und die Bäume wurden in den Sägemühlen der Umgebung zu Balken geschnitten. Das Richtfest im Jahr 1947 feierten wir mit Streuselkuchen – vielleicht hat die Scheune sogar schon damals geahnt, dass sie 65 Jahre später als Café genutzt werden würde!

Glücklicherweise war die im Jahr 1938 erbaute neue Mühle nur unwesentlich durch den Krieg zerstört worden. Daher wurde die alte Mühle nicht wieder aufgebaut, lediglich der Motorkeller wurde in den Jahren bis 1990 als Rübenlagerkeller genutzt. Inzwischen ist auch er mit Sand und Steinen verfüllt.

Die zerschossene Fassade und die Fenster der neuen Mühle wurden repariert, so dass die Mühle bald wieder ihrer Bestimmung nach das Korn zu Mehl mahlen konnte. Die Landwirtschaft des Hofes sowie die Erträge der Mühle sicherten den Lebensunterhalt der Familie Petschick und ihrer Mitarbeiter. Bis zum Jahr 1994 war die Mühle noch in Betrieb. Der letzte Müllermeister auf dem Hof war Markus Petschick.

Um den marktwirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, hätte die Mühle jedoch zusätzliche Einbauten und Erneuerungen benötigt; deshalb wurde das Gewerbe abgemeldet, und das Gebäude dient nun als private Wohnung.

Ebenso wurde die Landwirtschaft eingestellt, und die Gebäude und die Scheune als Lagerräume genutzt. Inzwischen ist der ehemalige Kuhstall samt Futter-Häcksel-Raum umgebaut und wird als Naturheilpraxis genutzt.